Vom 5. bis 11. Oktober fand in Maspalomas der erste Swinger Pride Gran Canaria statt. Sieben Tage voller Ausgelassenheit in den Paarclubs im Süden der Insel, Treffen auf Booten und Partys im Sonnenschein, und das an einem Ort, der seit Jahrzehnten für sexuelle Freiheit steht und jeden Frühling eines der größten LGBTI-Pride-Events Europas feiert. Der Zuspruch war so groß, dass die Veranstalter bereits die nächste Ausgabe für 2027 angekündigt haben.

Doch abseits der Feierlichkeiten hat die Veranstaltung etwas in den Blickpunkt gerückt: eine Art, mit Sexualität umzugehen, die viele Paare schon seit Längerem verstohlen beäugt hatten und die nach wie vor ebenso viel Neugier wie Missverständnisse hervorruft. Denn es ist eine Sache, schon einmal von Partnertausch gehört zu haben, und eine ganz andere, zu wissen, worum es dabei wirklich geht, wie es sich anfühlt, selbst dabei zu sein, und was zwei Menschen, die sich lieben, dazu bringt, ihre Intimität mit anderen zu teilen.

Wenn Sie sich diese Fragen schon einmal gestellt haben, lohnt sich ein Blick auf diese Welt, ohne Vorurteile, aber auch ohne Verklärung. Ich erzähle Ihnen davon, wie ich sie kenne: aus eigener Erfahrung und anhand der Fragen von Paaren, die darüber nachdenken, es auszuprobieren.

Swinger Pride Gran Canaria: warum Maspalomas

Der Süden Gran Canarias bietet Voraussetzungen, die sich an anderen europäischen Urlaubsorten nur selten finden. Die FKK-Tradition seiner Strände, seine fest etablierte LGBTI-Community und eine Tourismuskultur, die seit Langem Gäste unterschiedlichster Herkunft und Lebensweise willkommen heißt, haben ein Umfeld geschaffen, in dem man mit bestimmten Freiheiten sehr viel selbstverständlicher umgeht als anderswo. Dass der Swinger Pride gerade hier ins Leben gerufen wurde, ist kein Zufall. Es war fast schon folgerichtig.

Der Eingang des Centro Comercial Cita in Playa del Inglés bei Nacht: Im Untergeschoss liegen fast alle Swingerclubs von Maspalomas.

Ganz ohne geheimnisvolle Aura oder Heimlichtuerei fühlte sich der Swinger Pride wie ein Urlaub unter Erwachsenen an und erinnerte uns daran: Was in der Szene am Ende der Nacht passiert, ist nur ein Teil der Geschichte. Davor stehen die Gespräche, die an der Bar beginnen und sich fortsetzen, ohne dass jemand auf die Uhr schaut, die vielsagenden Blicke zwischen Paaren, die sich gerade kennenlernen, und das Interesse, aus dem allmählich Anziehung entsteht. Und manchmal hinterlässt eine Nacht, die mit dem schlichten Wunsch nach einem schönen Abend begann, etwas, womit niemand gerechnet hatte: eine echte Nähe oder eine Freundschaft, die weit über die Clubnacht hinaus Bestand hat.

Was ist Partnertausch oder Swinging?

Beim Partnertausch, international meist Swinging genannt, entscheiden sich zwei Menschen in einer festen Beziehung aus freien Stücken und im gegenseitigen Einvernehmen dafür, erotische oder sexuelle Erfahrungen mit anderen zu teilen, meist mit anderen Paaren.

Der grundlegende Unterschied zu anderen Formen nicht-monogamer Beziehungen liegt darin, wie das Paar mit dieser Offenheit umgeht. Beim Swinging geht es in der Regel um eine gemeinsame Erfahrung: Beide sind an der Entscheidung beteiligt, kennen die gemeinsamen Absprachen und erleben etwas, das Teil ihres Paarlebens ist und nicht zu einer zweiten, davon getrennten Gefühlswelt gehört.

Für Menschen, die Swinging praktizieren, geht es dabei nicht zwangsläufig darum, etwas zu suchen, das in der eigenen Beziehung fehlt. Es kann ganz einfach eine Möglichkeit sein, Fantasien zu erkunden, andere Facetten des Begehrens kennenzulernen und ihr Sexualleben abwechslungsreicher zu gestalten, ohne ihre emotionale Bindung zueinander aufzugeben.

Manche Paare sehen darin ein gemeinsames Hobby. Andere sprechen lieber von einem Abenteuer, das sie sich nur gelegentlich gönnen. Jedes Paar findet dabei seinen eigenen Weg. Am meisten haben in der Regel die Paare davon, die sich schon vor dem Clubbesuch gemeinsam dafür entschieden haben. Für sie wird es ein gelungener Abend, unabhängig davon, was sich mit anderen Paaren ergibt.

Partnertausch, offene Beziehung und Polyamorie: die Unterschiede

Obwohl die Begriffe oft gleichgesetzt werden, beschreiben Partnertausch, offene Beziehungen und Polyamorie nicht ganz dasselbe.

Stellen Sie sich drei Möglichkeiten vor, wie ein Samstag aussehen könnte. Im ersten Fall trifft sich einer der beiden mit jemand anderem, während der andere eigene Pläne macht. Beide wissen davon und sind einverstanden: ein Beispiel für eine offene Beziehung, in der Treffen außerhalb der Beziehung erlaubt sind, ohne dass beide gemeinsam daran teilnehmen müssen.

Im zweiten Fall führt einer der beiden eine weitere Liebesbeziehung, die von Zuneigung und Verbindlichkeit geprägt ist und einen eigenen Platz in seinem Leben hat. Das ist ein Beispiel für Polyamorie, eine Form der Nicht-Monogamie, in der es mehrere Liebesbeziehungen geben kann, von denen alle Beteiligten wissen und mit denen sie einverstanden sind.

Im dritten Fall beschließen beide, zusammen in einen Paarclub zu gehen, andere Paare kennenzulernen und, wenn die Chemie stimmt und alle einverstanden sind, gemeinsam eine sexuelle Erfahrung zu machen. Das ist Swinging.

In der Praxis gibt es natürlich zahlreiche Mischformen, und die Grenzen verlaufen nicht immer eindeutig. Es gibt Paare in offenen Beziehungen, die auch Swinging praktizieren, und polyamore Menschen, die in der Szene verkehren. Der Unterschied liegt in der Art der Absprachen und darin, welche Art von Beziehung die Beteiligten führen möchten.

Was all diese Formen einvernehmlicher Nicht-Monogamie gemeinsam haben, lässt sich auf einen entscheidenden Punkt bringen: Alle Beteiligten wissen Bescheid und sind einverstanden.

Genau deshalb unterscheiden Menschen, die Swinging praktizieren, klar zwischen Partnertausch und Untreue. In einer Studie aus Polen betrachtete keiner der befragten Swinger einen gemeinsamen Clubbesuch als Untreue[1].

Wenn Sie kurz darüber nachdenken, leuchtet das Ergebnis ein. Eine Begegnung mit einem anderen Menschen wird nicht allein dadurch zum Vertrauensbruch, dass sie stattfindet, sondern dadurch, dass jemand eine gemeinsame Absprache verletzt. Beim Partnertausch gibt es ebenso klare Grenzen wie in jeder anderen Beziehung. Entscheidend ist, dass beide sie gemeinsam festgelegt haben und schon vor Beginn der Nacht wissen, wo sie verlaufen.

Swinging sollte man auch nicht mit Cuckolding verwechseln, einer Praxis, bei der die Erregung häufig darin liegt, zuzusehen oder zu wissen, dass der eigene Partner oder die eigene Partnerin mit jemand anderem Sex hat. Auch wenn sich beide Erfahrungen in manchen Situationen überschneiden können, müssen die Beweggründe und die Dynamik dahinter nicht dieselben sein.

Ein Swingerpaar macht sich vor dem Spiegel zum Ausgehen fertig: Die Frau legt einen Ohrring an, der Mann knöpft sein Hemd zu und betrachtet sie im Spiegelbild.

Begriffe, denen Sie im Swingerclub begegnen werden

In der Szene lohnt es sich, einige wichtige Begriffe zu kennen, denn wer einen Begriff falsch versteht, kann auch eine Grenze falsch einschätzen.

Was Szene, Soft Swap und Full Swap bedeuten

Wenn sich ein Club als Teil der Szene bezeichnet oder ein Paar in seinem Profil schreibt, es sei in der Szene unterwegs, geht es um ein Umfeld, in dem Menschen offen mit Sexualität umgehen und unterschiedliche Vorlieben respektieren.

Der Begriff umfasst mehr als Partnertausch im engeren Sinne. Zur Szene gehören Paare, die Swinging praktizieren, aber auch Menschen, die gemeinsam erotische Erfahrungen machen, ohne dabei die Partner zu tauschen.

Zwei englische Ausdrücke werden Ihnen in der Szene besonders häufig begegnen:

  • Teilweiser Tausch/Soft Swap (S/S): ein Partnertausch, bei dem bestimmte sexuelle Praktiken ausgeschlossen bleiben. Dazu können Küssen, Streicheln und, je nach den Absprachen des Paares, weitere Formen sexuellen Kontakts gehören, ohne dass es zur Penetration mit anderen kommt.
  • Vollständiger Tausch/Full Swap (F/S): Partnertausch, bei dem auch penetrativer Sex mit anderen möglich ist.

Manche Paare bleiben jahrelang beim Soft Swap, ohne den Wunsch zu haben, darüber hinauszugehen, und andere wissen bereits am ersten Abend, dass sie Full Swap ausprobieren möchten. Keines der beiden Paare ist dem anderen voraus.

Der Playground: im selben Raum, in getrennten Räumen und Parallel Play

In Paarclubs ist der Playground der Bereich für erotische Begegnungen. Je nach Club gibt es offene Spielwiesen, separate Zimmer, große Gemeinschaftsbetten oder Ecken, in denen Zuschauen zum Spiel gehört.

Jeder Club legt seine eigenen Einlass- und Verhaltensregeln fest, und viele sind bis ins Detail ausgestattet: Kondome und Gleitgel für alle, Papierrollen an den Betten, Duschen, Toiletten und Schließfächer, manchmal sogar ein Pool, ein Whirlpool oder eine Bar direkt im Playground.

Auch im Playground entscheidet jedes Paar selbst, ob es zusammenbleiben möchte:

  • Gleicher Raum/Same Room (SR): Die Partner bleiben während der Begegnungen zusammen und in Sichtweite voneinander. So können sich beide leicht verständigen, immer wieder prüfen, ob sich beide wohlfühlen, und das ganze Erlebnis teilen, ohne den Kontakt zu verlieren.
  • Getrennte Räume/Different Room (DR): Die Partner haben ihre Begegnungen in getrennten Räumen. Dafür braucht es besonders klare Absprachen und das Vertrauen darauf, dass beide sie auch in Abwesenheit des anderen einhalten.

Daneben gibt es das sogenannte Parallel Play, also das parallele Spiel. Dabei halten sich zwei oder mehr Paare im selben erotischen Bereich auf, manchmal sogar auf demselben Bett, aber jeder hat nur mit dem eigenen Partner Sex. Der Reiz entsteht durch die Nähe der anderen, durch das Zuschauen und das Gefühl, selbst beobachtet zu werden, ohne dass die Partner miteinander tauschen.

Wer die Szene erst einmal kennenlernen möchte, kann mit dem parallelen Spiel etwas Neues ausprobieren, ohne die bisherigen sexuellen Grenzen der Beziehung zu überschreiten.

Die umgedrehte Ananas und SSC

Wie jede Gemeinschaft hat auch die Szene ihre eigenen Erkennungszeichen und Regeln. Manche helfen dabei, Gleichgesinnte ohne Worte zu erkennen, etwa über ein Profil oder ein Accessoire. Eine Regel ist dagegen bei jedem Schritt wichtig, vom ersten Gespräch an der Bar bis zur letzten Entscheidung der Nacht.

Das bekannteste dieser Erkennungszeichen ist die umgedrehte Ananas, die zu einem verbreiteten Symbol der Swingerwelt geworden ist und in Profilen, auf Accessoires und als Dekoration auftaucht. Das heißt nicht, dass jede umgedrehte Ananas jemanden automatisch als Teil der Gemeinschaft ausweist, aber wer die Anspielung kennt, kann das eine oder andere amüsante Missverständnis vermeiden.

Ein Armband mit einer umgedrehten Ananas am Handgelenk einer Frau, die an der Bar lehnt: das diskrete Zeichen, an dem sich die Swingerwelt erkennt.

Die andere, wichtigere Regel steht in keinem Profil und lässt sich nicht als Armband tragen. Und doch fällt sie Ihnen auf, sobald Sie eine Weile in einem gut geführten Club sind: daran, wie Menschen fragen, auf eine Antwort warten und ein Nein akzeptieren. Es ist der Grundsatz, auf dem alles andere beruht. Er lässt sich in drei Buchstaben zusammenfassen: SSC, kurz für Safe, Sane and Consensual (sicher, vernünftig und einvernehmlich).

Er stammt aus dem BDSM und wird auch in anderen Formen sexueller Vielfalt verwendet, um daran zu erinnern, dass jede Praxis diese drei Bedingungen erfüllen muss.

Letztlich bedeutet sexuelle Freiheit, selbst entscheiden zu können, was man tut, wie und mit wem.

Sind Sie bereit für den Partnertausch?

Bevor Sie sich fragen, ob Sie Partnertausch ausprobieren möchten, sollten Sie sich eine andere Frage stellen. Sie ist weniger aufregend, aber viel wichtiger: Wie geht es uns eigentlich als Paar?

Es gibt keinen festen Menschentyp, der für Swinging besonders prädestiniert wäre. Sie müssen weder seit zwanzig Jahren zusammen sein noch eine perfekte Beziehung führen, schon deshalb nicht, weil es perfekte Beziehungen nicht gibt.

Hilfreich ist allerdings, wenn Sie offen miteinander reden, einander vertrauen und auch unangenehme Themen ansprechen können, ohne aus jedem Unterschied einen Konflikt zu machen.

Und vor allem sollten Sie beide wirklich neugierig darauf sein.

Eine solche Erfahrung lässt sich kaum genießen, wenn einer von Ihnen nur dem anderen zuliebe mitmacht, aus Angst, ihn zu verlieren, oder in der Hoffnung, Probleme zu lösen, die bereits vorher bestanden. Die Entscheidung müssen Sie gemeinsam treffen, ohne Druck und ohne das Gefühl, dem anderen etwas schuldig zu sein.

Studien liefern dazu einige interessante Hinweise. Zwei US-amerikanische Wissenschaftler befragten sechzehn verheiratete Swingerpaare und sprachen mit beiden Partnern jeweils getrennt. Ein Punkt spielte für die Zufriedenheit der Paare immer wieder eine Rolle: wie offen sie miteinander sprachen[2].

Eine polnische Studie stellte bei den teilnehmenden Swingern zudem höhere Werte für sichere Bindung fest als in der untersuchten monogamen Vergleichsgruppe[1]. Das ist ein interessantes Ergebnis, bedeutet aber nicht, dass Swinging an sich Beziehungen sicherer oder stabiler macht.

Tatsächlich fand eine Übersichtsarbeit, die 35 Studien mit insgesamt mehr als 24.000 Teilnehmenden auswertete, keine signifikanten Unterschiede in der Beziehungszufriedenheit zwischen monogamen Menschen und Menschen in einvernehmlich nicht-monogamen Beziehungen[3].

Das stellt gleich zwei verbreitete Vorstellungen infrage: dass die sexuelle Öffnung einer Beziehung diese zwangsläufig beschädigt und dass sie ein Patentrezept für eine bessere Beziehung ist.

Partnertausch ist keine unvermeidliche Bedrohung für eine stabile Beziehung, aber auch keine Therapie für eine Beziehung, die gerade eine Krise durchmacht.

Darüber habe ich bereits in meinem Beitrag zum Thema Dreier als Paar geschrieben: Bevor Sie andere Menschen an Ihrer Intimität teilhaben lassen, sollten Sie wissen, was Sie sich davon erhoffen und warum.

Das vielleicht beste Zeichen dafür, dass Sie bereit sind, ist ganz einfach: Sie können beide „Lieber nicht“ sagen und wissen, dass diese Entscheidung respektiert wird.

Wie sich Partnertausch anfühlt

Bisher ging es um Absprachen, Definitionen und Studien, um all das, was sich rational begreifen und zu Hause in Ruhe auf dem Sofa besprechen lässt, doch das erklärt nur einen Teil dessen, was Sie vor Ort tatsächlich erleben.

Im Club vermischen sich Begehren, Neugier, Selbstbewusstsein, Unsicherheit und Nähe auf kaum vorhersehbare Weise, und für die Frau, die sich begehrt fühlt, ist das etwas anderes als für den Mann, der mitansieht, wie andere sie begehren.

Für sie: begehrt werden

Für viele Frauen beginnt es lange vor dem Sex mit den Blicken. Hinzu kommt die Freude daran, die eigene Sinnlichkeit auszuleben, ohne sich dafür rechtfertigen oder die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen.

Eine Frau tanzt mit erhobenen Armen auf der Tanzfläche eines Paarclubs, in einem roten Spitzenbody, während die Blicke im Raum auf ihr ruhen.

In einem Raum, in dem erotisches Interesse offen gezeigt wird und ein Blick deutlich macht, was jemand möchte, kann das Gefühl, begehrt zu werden, besonders intensiv sein, gerade weil die Frau selbst entscheidet, wie sie mit all der Aufmerksamkeit umgeht.

Flirten, ohne damit etwas zu versprechen. Sich auf ein Gespräch einlassen und eine Annäherung ablehnen, ohne etwas erklären zu müssen. Die Aufmerksamkeit genießen, die man weckt, ohne dass jemand aus diesem Interesse einen Anspruch auf den eigenen Körper ableitet.

Ein gutes Umfeld innerhalb der Szene erkennen Sie nicht daran, wie viele Menschen dort Sex haben möchten, sondern daran, wie selbstverständlich akzeptiert wird, dass jemand Nein sagt.

Auch gesellschaftlich hat sich etwas verändert. In Italien zeigen Daten des Censis deutliche Veränderungen im Umgang von Frauen mit Sexualität. Innerhalb von 25 Jahren stieg der Anteil derer, die angaben, sexuelle Erfahrungen mit drei oder mehr Personen gemacht zu haben, von 0,7 % auf 6,8 %. Der Anteil der Frauen, die der Ansicht sind, dass sich sexuelle Lust und Liebe trennen lassen, wuchs von 35,7 % auf 56,4 %[4].

Diese Zahlen beziehen sich nicht speziell auf Swinging, verdeutlichen aber einen kulturellen Wandel: Frauen können ihr Begehren zunehmend unabhängig von traditionellen Vorstellungen ausdrücken.

Für ihn: sie neu entdecken

Er steht mit ihr an der Bar oder tanzt mit ihr, als jemand auf sie zukommt und ein Gespräch beginnt. Er sieht, wie sie lacht und sich beim Zuhören eine Strähne aus dem Gesicht streicht. Plötzlich kommt ihm die Frau, mit der er jeden Morgen frühstückt, vor wie jemand, den er gerade erst kennengelernt hat.

Einer der Teilnehmer der polnischen Studie erzählte, dass er seine Partnerin noch attraktiver fand, wenn er bemerkte, wie anziehend andere sie fanden[1].

Gerade in langen Beziehungen kann dieses Gefühl überraschen. Nach Jahren gemeinsamer Gewohnheiten, alltäglicher Verpflichtungen und einer bis ins Detail vertrauten Intimität entdeckt man in einer ungewohnten Umgebung plötzlich die verführerische Seite des Partners neu. Das kann Gefühle wachrufen, die man nur vom Beginn der Beziehung zu kennen glaubte. Es ist, als hätte die vertraute Anziehung nur eine neue Bühne gebraucht, damit er sie wieder mit den Augen von damals sehen kann.

Und jetzt mal unter uns Männern: Das sagt einem kaum jemand, weil es keine Klicks bringt. Sie gehen hinein, fest davon überzeugt, dass sich alle um Sie reißen werden, und merken nach zehn Minuten, dass sie der Mittelpunkt des Abends ist. Die Blicke, das Lächeln, die Einladungen zum Tanzen: Alles dreht sich um sie, und Ihre Rolle ist die des Mannes an ihrer Seite. Wenn Sie Glück haben, sind Sie stolz darauf. Je früher Sie das annehmen, desto schöner wird der Abend für Sie, denn auch dafür sind Sie hier: um zu sehen, wie sie strahlt.

Zu zweit erleben

Es gibt auch Paare, für die vor allem das gemeinsame Erlebnis etwas Besonderes ist, ganz gleich, was am Ende der Nacht passiert.

Zusammen entscheiden, auf wen Sie zugehen, Reaktionen deuten, eine Fantasie ausleben, über die Sie bisher nur unter vier Augen gesprochen haben. All das bekommt eine besondere Bedeutung, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin Ihre gemeinsame Geschichte kennt, Ihre Unsicherheiten und sogar jene kleinen Gesten versteht, mit denen Sie sich ohne Worte verständigen.

So kann Swinging eine neue Form von Nähe in Ihrer Beziehung entstehen lassen, die über die Vertrautheit des Alltags hinausgeht. Jeder von Ihnen wird diese Erfahrung auf eigene Weise in Erinnerung behalten, selbst wenn das, was Ihnen am stärksten im Gedächtnis bleibt, gar nichts Sexuelles ist.

Die gesellige Seite

Ein Abend in einem Paarclub geht weit über sexuelle Begegnungen hinaus. Viele dieser Clubs sind zugleich Treffpunkte für Menschen, die ähnliche Vorstellungen von Freizeitgestaltung, Körperlichkeit und Intimität haben.

Verena Hug, Mitinhaberin eines der größten Paarclubs der Schweiz, beschreibt den Club als kleine Auszeit vom Alltag. Ihr zufolge schätzen viele Gäste vor allem die Atmosphäre, das Tanzen und die Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen[5].

Zwei Paare plaudern und lachen bei einem Drink im Whirlpool eines Swingerhotels im Süden Gran Canarias, während andere am FKK-Pool in der Sonne liegen: Das Leben der Szene spielt sich auch tagsüber und fernab der Clubs ab.

Mit der Zeit werden aus manchen Bekanntschaften Freundschaften. Man trifft sich zum Abendessen, unternimmt gemeinsame Reisen oder verabredet sich regelmäßig auf denselben Veranstaltungen. Manche bauen sich innerhalb dieser Gemeinschaft einen eigenen Freundeskreis auf, andere bleiben lieber bei gelegentlichen Besuchen.

Viele Neulinge sind überrascht, dass sie dazugehören können, ohne dass jede Begegnung auf etwas Sexuelles hinauslaufen muss, und entdecken, dass es manchmal gerade deshalb so angenehm ist, weil niemand etwas von ihnen erwartet.

Und die Eifersucht?

Damit kommen wir zu einer Frage, die besondere Aufmerksamkeit verdient, weil sie vermutlich zu den ersten gehört, die auftauchen, wenn ein Paar darüber nachdenkt, Swinging auszuprobieren: Und was ist mit der Eifersucht?

Die Antwort ist einfach: Eifersucht kann aufkommen, und daran ist nichts Ungewöhnliches.

Auch wenn Sie sich verstandesmäßig damit einverstanden erklären, dass Ihr Partner oder Ihre Partnerin sexuellen Kontakt mit anderen hat, bedeutet das nicht, dass Ihre Gefühle ebenso bereitwillig mitziehen.

Woher kommt diese Eifersucht? Verena Hug selbst führt sie vor allem auf zwei Ängste zurück: die Angst, den geliebten Menschen zu verlieren, und die Sorge, im Vergleich zu einem anderen Menschen nicht gut genug zu sein[5].

Diese beiden Ängste sind nicht dasselbe. Es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten. Die Angst, dass Ihr Partner Gefühle für jemand anderen entwickelt, ist etwas anderes als die Unsicherheit bei dem Gedanken, jemand anderes könne für ihn attraktiver sein oder ihm auf andere Weise Lust bereiten. Und nicht jeder Anflug von Eifersucht bedeutet, dass die Erfahrung ein Fehler war. Manchmal tritt dabei einfach ein wunder Punkt zutage, den Sie vorher noch nicht kannten.

Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen. Manche Paare lernen, diese Gefühle zu erkennen und offen darüber zu sprechen, ohne einander Vorwürfe zu machen. Andere stellen fest, dass bestimmte Situationen sie überfordern, und entscheiden sich dafür, ihre Absprachen zu ändern oder ganz aufzuhören. Beides ist gleichermaßen legitim.

Eifersucht verschwindet nicht, wenn Sie so tun, als wäre sie nicht da. Verstehen können Sie sie erst, wenn Sie offen und ohne Angst darüber sprechen können.

Die Absprache: was Sie vor dem Clubbesuch vereinbaren sollten

Was einen gelungenen Abend von einem unterscheidet, der einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, sind vor allem klare Absprachen.

Solche Absprachen sollten Sie nicht erst mitten in einer aufregenden Situation treffen. Denn dann ist es viel schwerer zu unterscheiden, was Sie wirklich möchten und worauf Sie sich nur einlassen, um die Stimmung nicht zu verderben. Oder, wie ich es unter Freunden ausdrücken würde:

Manche Entscheidungen treffen Sie besser, solange Sie sicher sind, dass das Blut noch im Kopf ist.

Was Sie zu Hause klären sollten

Nehmen Sie sich vor dem Clubbesuch Zeit, über Ihre Erwartungen zu sprechen.

Vielleicht möchten Sie es beide ausprobieren, stellen sich darunter aber etwas völlig anderes vor. Der eine denkt vielleicht daran, Leute kennenzulernen und erst einmal die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen, der andere daran, tatsächlich Sex mit einem anderen Paar zu haben.

Sprechen Sie deshalb konkret darüber, was Sie ausprobieren möchten und was lieber nur zwischen Ihnen beiden bleiben soll.

Soft Swap oder Full Swap? Immer zusammenbleiben oder auch getrennte Begegnungen zulassen? Wie wichtig sind Ihnen Küsse? Wäre es für Sie in Ordnung, jemandem aus Ihrem Freundeskreis zu begegnen, oder möchten Sie diese beiden Welten lieber strikt trennen?

Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihre Antworten übereinstimmen.

Selbst bei Paaren, die seit vielen Jahren zusammen sind, können die Vorstellungen davon, was intim, erregend oder zu persönlich ist, stark auseinandergehen. Für manche hat ein Kuss eine viel größere emotionale Bedeutung als so manche sexuelle Handlung. Für andere verläuft die Grenze an einer anderen Stelle.

Sie brauchen dafür keinen endlosen Regelkatalog. Wichtig ist, dass Sie Ihre festen Grenzen kennen, wissen, wo Sie gegebenenfalls flexibel sein können, und akzeptieren, dass sich Ihre Wünsche in der konkreten Situation ändern können.

Schutz

Auch der Schutz sollte von Anfang an Teil Ihrer Absprachen sein. In der Szene ist er besonders wichtig. Beim Sex mit anderen gilt: immer ein Kondom, und für jede Person ein neues. Viele Clubs stellen Kondome kostenlos zur Verfügung, trotzdem lohnt es sich immer, eigene dabeizuhaben: Sie wissen nie, was Sie vorfinden, und niemand weiß besser als Sie, was zu Ihrem Körper passt.

Über sexuelle Gesundheit zu sprechen, sollte in einem Umfeld, in dem Menschen verantwortungsvoll mit Sexualität umgehen möchten, nicht unangenehm sein. Im Gegenteil: Sie zeigen damit Rücksicht auf alle Beteiligten.

Einvernehmen bei jedem Schritt

Eine Einladung anzunehmen, in ein Zimmer zu gehen oder jemanden zu küssen, bedeutet nicht, dass Sie damit allem zustimmen, was danach passieren könnte.

Einwilligung gilt immer nur für die jeweilige Situation und kann jederzeit widerrufen werden.

In einem Club, der die Regeln der Szene ernst nimmt, sollte niemand einen anderen Menschen ohne dessen Erlaubnis berühren, nach einem Nein weiterdrängen oder Schweigen als Zustimmung auffassen.

Und genau dieselbe Regel gilt innerhalb Ihrer Beziehung: Dass Sie vereinbart haben, eine bestimmte Praxis vielleicht auszuprobieren, verpflichtet Sie nicht dazu, und es ist völlig in Ordnung, festzustellen, dass etwas, das zu Hause noch verlockend erschien, im entscheidenden Moment seinen Reiz verliert.

Es war erlaubt, nicht versprochen.

Ein Paar, von hinten gesehen, Hand in Hand, betritt einen halbdunklen Raum des Playgrounds, in dem man ein anderes Paar auf dem Bett erahnt; neben der Tür eine Schale mit Kondomen.

Das vereinbarte Stoppsignal

Viele Paare vereinbaren ein Wort, eine Geste oder ein diskretes Zeichen, das beide verwenden können, wenn sie eine Situation beenden oder verlassen möchten.

Das kann ein zweimaliges Tippen auf den Arm des anderen sein oder ein kurzer Satz, dessen Bedeutung Sie beide sofort verstehen.

Wichtig ist nur, dass Sie die Bedeutung vorher festgelegt haben und das Signal ohne Diskussion respektieren.

Sobald einer von Ihnen das Signal gibt, wird die Situation beendet. Wer das Signal gibt, muss die Entscheidung vor niemandem rechtfertigen und auch nicht das Gefühl haben, damit den Abend zu verderben.

Später können Sie unter vier Augen und in Ruhe darüber sprechen, was passiert ist.

Zum ersten Mal im Swingerclub: Was Sie erwartet

Der Gedanke, zum ersten Mal einen Swingerclub zu betreten, kann eine ganz besondere Mischung aus Neugier, Vorfreude und Nervosität auslösen.

Das ist verständlich. Schließlich kennen Sie weder die Abläufe noch die Regeln im Umgang miteinander und wissen noch nicht, welche Situationen sich ergeben könnten.

Vorerfahrung brauchen Sie zum Glück nicht. Wichtiger ist, den Club sorgfältig auszuwählen und sich bewusst zu machen, dass Ihr erster Besuch nicht so aussehen muss, wie Sie es sich vorgestellt haben.

Vor dem Besuch

Informieren Sie sich zunächst über den Club.

Sehen Sie sich die Website, die Einlassbedingungen, die Zielgruppe und das Programm für den betreffenden Abend an. Viele Clubs veranstalten Themenabende mit ganz unterschiedlicher Atmosphäre und Dynamik. Wählen Sie deshalb eine Veranstaltung, die zu Ihren Vorstellungen passt.

Für den ersten Besuch empfiehlt sich ein gut organisierter Club mit klaren Regeln und einer entspannten, geselligen Atmosphäre. So können Sie sich in Ruhe umsehen, ohne sich beobachtet oder unter Druck gesetzt zu fühlen.

Prüfen Sie außerdem den Dresscode. Im Süden Gran Canarias ist er lockerer als in vielen Clubs europäischer Großstädte, denn die meisten Gäste sind im Urlaub: Gepflegt-lässige Kleidung genügt, Badesachen und Flip-Flops bleiben allerdings im Hotel. Manche Clubs verlangen außerdem, dass Sie sich für einzelne Bereiche umziehen, und an Themenabenden hilft schon ein einziges passendes Detail oder Accessoire, sich als Teil des Abends zu fühlen.

Sie müssen nicht versuchen, freizügiger aufzutreten, als Sie möchten. Wählen Sie etwas, das Ihnen gefällt, Ihnen steht und in dem Sie sich wohlfühlen. Selbstsicherheit ist meist viel attraktiver als jede Verkleidung.

Im Club

Am Eingang werden Sie in der Regel begrüßt. Dort werden die Einlassbedingungen geprüft und die wichtigsten Regeln erklärt.

In manchen Clubs wird Ihnen ein Rundgang durch die Räumlichkeiten angeboten: Umkleiden, Schließfächer, Aufenthaltsbereiche und die Bereiche für erotische Begegnungen.

Diskretion wird ernst genommen: In vielen Clubs sind Handys und Fotos nicht erlaubt. Lassen Sie Ihr Telefon also im Schließfach und genießen Sie den Moment.

Der Playground eines Paarclubs, noch leer: ein Whirlpool, Betten aus rotem Leder, Samtvorhänge und Spiegel im Halbdunkel.

Danach können Sie sich in Ruhe umsehen, den Club kennenlernen und ganz in Ihrem eigenen Tempo Kontakte knüpfen.

Sie sind zu nichts verpflichtet. Sie können sich unterhalten, ohne damit ein sexuelles Interesse zu signalisieren, dort zuschauen, wo es erlaubt ist, oder einfach die Atmosphäre genießen.

Wenn ein anderes Paar Interesse an Ihnen zeigt und Sie dieses Interesse nicht teilen, sollte ein „Nein, danke“ genügen. Umgekehrt gilt: Wenn Sie sich zu jemandem hingezogen fühlen, sprechen Sie die Person am besten ungezwungen an und finden heraus, ob das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht.

Wenn nichts passiert, ist das völlig in Ordnung

Wenn ich Ihnen aus all dem nur einen einzigen Rat mitgeben dürfte, wäre es dieser: Sie können Ihren ersten Abend im Club verbringen, ohne jemanden zu küssen, zu berühren oder mit jemandem Sex zu haben.

Sie haben ein neues Umfeld kennengelernt, gesehen, wie dort alles abläuft, und gespürt, welche Gefühle das in Ihnen auslöst. Ganz nebenbei haben Sie auch etwas über sich selbst erfahren. Für einen ersten Besuch ist das schon eine ganze Menge.

Vielleicht gefällt es Ihnen so gut, dass Sie wiederkommen möchten. Vielleicht merken Sie, dass Ihnen die gesellige Seite zusagt, Sie aber kein Interesse daran haben, selbst sexuell aktiv zu werden. Oder Sie stellen fest, dass etwas, das in Ihrer Fantasie aufregend war, in der Realität seinen Reiz verliert.

All das sind nützliche Erkenntnisse.

Sie gewinnen nichts, wenn Sie weitergehen, als Ihnen lieb ist. Und Sie müssen auch nicht mehr aus dem Abend machen, nur weil Sie schon einmal da sind.

Am Tag danach: das wichtigste Gespräch

Am nächsten Morgen, bei einer Tasse Kaffee und mit den Eindrücken der Nacht noch ganz frisch, steht das wichtigste Gespräch an.

Fragen Sie einander, was Ihnen gefallen hat, was Sie überrascht hat und ob es eine Situation gab, in der Sie sich unwohl gefühlt haben. Es lohnt sich auch, darüber zu sprechen, was Sie sich vorgestellt hatten und was anders gekommen ist als erwartet.

Hören Sie zu, ohne die Antworten Ihres Partners oder Ihrer Partnerin vorwegzunehmen.

Vielleicht hat einer von Ihnen den Abend sehr genossen, während beim anderen gemischte Gefühle zurückgeblieben sind. Vielleicht meldet sich eine Eifersucht, mit der Sie nicht gerechnet haben, oder Sie merken, dass eine Grenze neu gezogen werden muss.

Sie müssen nicht jede Empfindung gleich bewerten. Wichtig ist, dass Sie beide sagen können, wie Sie den Abend erlebt haben, ohne das Gefühl zu haben, den anderen zu enttäuschen.

Und spielen Sie kleine Momente des Unbehagens nicht herunter, nur um sich die Erinnerung an einen schönen Abend nicht zu trüben. Wer Unbehagen frühzeitig anspricht, kann oft schon im Gespräch etwas klären. Wenn sich solche Gefühle hingegen unausgesprochen anstauen, können sie auf Dauer auch andere Bereiche der Beziehung belasten.

Dann kommt die unvermeidliche Frage: Wollen wir das wiederholen?

Vielleicht ja, diesmal entspannter und mit einer viel klareren Vorstellung davon, was Ihnen gefällt. Vielleicht möchten Sie einen anderen Club ausprobieren, einige Absprachen ändern oder sich auf eine bestimmte Art von Begegnung beschränken.

Die Antwort kann aber auch Nein lauten.

Manche Paare probieren es nur ein einziges Mal, erinnern sich gern daran und haben nicht das Bedürfnis, die Erfahrung zu wiederholen. Sie sind ihrer Neugier nachgegangen und haben gemeinsam entschieden, dass es dabei bleiben soll. Auch das ist ein guter Ausgang.

Partnertausch ist nur eine von vielen Möglichkeiten, Intimität zu gestalten. Sinnvoll ist er nur, wenn beide darin etwas finden, das sie wirklich möchten.

Der Swinger Pride findet 2027 wieder in Maspalomas statt, aber auf Ihre erste Erfahrung mit Swinging müssen Sie deswegen nicht bis dahin warten. Hier im Süden ist die Szene das ganze Jahr über lebendig. Praktisch jeden Abend hat irgendein Swingerclub geöffnet, die bekanntesten an sieben Tagen die Woche, und es gibt Swingerhotels, in denen viele Paare einige Tage verbringen, um auch tagsüber die Atmosphäre der Szene zu genießen. Dort treffen Sie auf erfahrene Paare ebenso wie auf Menschen, die noch gar nicht genau wissen, was sie bei ihrem ersten Besuch erwartet.

Manche suchen neue Erfahrungen, andere möchten Freunde wiedersehen, und wieder andere wollen endlich den Schritt wagen, über den sie schon so lange miteinander reden.

Nicht jeder wird dasselbe erleben. Und das muss auch nicht sein.

Entscheidend ist nicht, wie weit Sie gehen, sondern dass Sie jeden Schritt selbst bestimmen.


Anmerkung des Autors

Ich bewege mich selbst in der Szene, und viele Fragen in diesem Artikel haben mir Paare gestellt, die mit dem Gedanken spielten; ein Paar bat mich sogar, es in seiner ersten Nacht zu begleiten. Was ich erzähle, stammt von dort und aus den wenigen verfügbaren Daten. Die zitierten Quellen stützen die Zahlen und Ergebnisse, die ich nenne, jede mit eigenen Grenzen: Tiefeninterviews arbeiten mit kleinen Stichproben, und die italienische Umfrage misst die Gesellschaft insgesamt. Der Rest ist meine eigene Beobachtung, und die Paare, die sich an einen Profi wenden, sind eine Gruppe, die sich bereits selbst ausgewählt hat.

Zitierte Quellen

  1. Werbiłowicz, M., Ślebarska, K. & Kocur, D. J. (2026). „If you wanna swing, you gotta have good foundations“, Polish Psychological Bulletin (auf Englisch). · Keiner der Swinger in der Studie hält einen gemeinsamen Clubbesuch für Untreue; aus den offenen Antworten stammt der Satz über die Partnerin, die in den Augen anderer noch attraktiver wirkt. Die Studie findet zudem bei den Swingern mehr sichere Bindung als in der monogamen Vergleichsgruppe. ↩
  2. Kimberly, C. & Hans, J. D. (2017). „From Fantasy to Reality: A Grounded Theory of Experiences in the Swinging Lifestyle“, Archives of Sexual Behavior (auf Englisch). · Interviews mit sechzehn swingenden Ehepaaren: Kommunikation als Kern der Zufriedenheit. ↩
  3. Anderson, J. R. et al. (2025). „Countering the Monogamy-Superiority Myth“, The Journal of Sex Research (auf Englisch). · Metaanalyse von 35 Studien mit 24.489 Personen: kein signifikanter Unterschied in der Zufriedenheit zwischen monogamen und einvernehmlich nicht-monogamen Menschen. ↩
  4. Censis (2026). „Il piacere degli italiani. Sintesi dei principali risultati“ (auf Italienisch). · Umfrage unter tausend Italienerinnen und Italienern zwischen 18 und 60 Jahren im Vergleich zu der von 2000: Erfahrungen mit drei oder mehr Personen und die Trennung von sexueller Lust und Liebe. ↩
  5. SRF (2024). „Liebe ohne Tabus: «Im Swingerklub kriege ich, was zu Hause nicht geht»“. · Interview mit Verena Hug, laut SRF Mitinhaberin des größten Paarclubs der Schweiz: der Club als Auszeit und Eifersucht als Angst vor Verlust und Vergleich. ↩